Der Papst im Lande. Benedikt XVI in Österreich. Kritische Stimmen innerhalb der Kirche tun ihren Unmut kund, dass kein Dialog, kein Diskurs mit dem Papst stattfinden könne. Tourmanager und Erzbischof Schönborn erklärt bei der Pressekonferenz am Tag vor dem Eintreffen des letzten europäischen Absolut-Monarchen, dass ein Diskurs wichtig, aber ein „Fest“ eben nicht der richtige Rahmen dafür sei.
Nun gut. Da hat er nicht schlecht die Kurve gekratzt. Der Papstbesuch ist also ein Fest. Ein solches, bei dem ich zwar nicht Gast sein möchte. Andere eben schon. Geht klar.
Dass es sich der Papst dann aber (bei einem derartigen „Fest“) nicht nehmen lässt, im Zuge seiner Rede in der Hofburg (am Rande: ein seltsamer Ort für ein „Fest“) politische Themen und seine menschenverachtenden Thesen loszuknallen, ist schon ein starkes Stück.
Zum einen den kritischen Stimmen innerhalb der Kirche gegenüber, weil sie mit der „Fest“-Ansage offensichtlich wirklich nur mundtot gemacht werden sollten. Zum anderen, weil einmal mehr die Gewaltverharmlosung und der Frauenhass des Kirchenoberhaupts an den Tag rücken durften.
Und ich meine „Frauenhass“ und „Gewaltverharmlosung“ nicht bewusst provokant, sondern leider wirklich genau so, wie es dasteht.
Der Papst meint in dieser Rede:
„Ich appelliere deshalb an die politisch Verantwortlichen, nicht zuzulassen, dass Kinder zu einem Krankheitsfall gemacht werden und dass die in Ihrer Rechtsordnung festgelegte Qualifizierung der Abtreibung als ein Unrecht faktisch aufgehoben wird. Ich sage das aus Sorge um die Humanität.“ (
papstbesuch.at)
Der „gute“ Mann vergisst: Die Frage, ob mensch FÜR oder GEGEN Abtreibung ist, stellt sich nicht. Abtreibung findet statt. Immer und überall. Ganz egal, ob sie legal oder illegal ist. Mit dem kleinen Unterschied, dass Abtreibungen – wenn sie einen legalen Rahmen finden – medizinisch korrekt und entsprechend minder gefährlich für die Frau passieren. Nach wie vor bedeutet ein Verbot der Abtreibung, dass Frauen sich einer gesundheitlichen Gefahr aussetzen müssen.
„Jahr für Jahr sterben weltweit noch immer rund 200.000 Frauen an nicht sachgemäßen Abtreibungen - und das nicht zuletzt dank der Vatikan-Politik und seinen Lebensschützer-Truppen. Sie suchen auf der ganzen Welt das Recht auf Abtreibung und die Verbreitung des medizinischen Fortschritts bei diesem meistpraktizierten Eingriff zu verhindern oder sogar zurückzudrehen – was ihnen nicht selten gelingt. Was eigentlich sagt der (Un)Heilige Vater zu den 200.000 toten Frauen im Jahr?“ (Alice Schwarzer, Der große Unterschied)
Heilig Heuchler Hasserfülltes
Franz Joseph