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SchülerInnen sollen über religiöse Symbole im Klassenzimmer selbst entscheiden

Mein Gott, ist das langweilig! Zeit meines Lebens taucht in regelmäßigen Abständen die Diskussion rund die Kreuze in den Klassenzimmern der österreichischen Schulen auf. Als Schüler habe ich mich auch gegen die hölzernen Teile stark gemacht und entsprechende Schriften (mit kecken Formulierungen wie "Halbnackte Leichen an unseren Wänden") in meiner Schule verteilt. Ich war jung, brauchte die Aufmerksamkeit und Blogs gabs ja noch keine ... :)

Heute sehe ich das entspannter. Denn eigentlich könnte mensch die Sache ganz einfach handhaben:
  • Automatisch sollen gar keine religiösen Symbole in den Schulen hängen.
  • Im Rahmen des Unterrichts könnte mensch selbiges einbringen und diskutieren.
  • Einigt sich das Klassen-Plenum (ohne Veto) auf - gegebenfalls mehrere - religiöse Symbole in seiner eigenen (!) Klasse, so sollen die SchülerInnen die Teile besorgen und aufhängen.
  • Bei jüngeren SchülerInnen könnte mensch auch die Eltern einbinden.
Wäre ich heute Schüler und mit diesem Modell konfrontiert, würde ich gegen religiöse Symbole stimmen. In anderen Klassen wäre das vielleicht anders.
alm (Gast) - Di Nov 10, 20:36

Klingt bestechend einfach...

und ist es eigentlich auch.

Das Problem ist die MUSS-Bestimmung. Wird diese durch eine KANN-Bestimmung ersetzt, dann ist das Kreuz nicht viel mehr als ein Christl Stürmer Poster, das mehrheitlich Akzeptanz findet oder eben nicht.

Allerdings ist es doch nicht ganz so einfach: Um hier ein qualifiziertes Urteile zu sprechen, vorausgesetzt es soll eines sein, müsste auch der Religionsunterricht einem Ethik- und Religionenunterricht weichen oder zumindest durch diesen ergänzt werden.
Was ja in Schulen nicht stattfindet ist die skeptische Auseinandersetzung mit Religion. Derzeit ist das Kreuz Symbol dafür, dass Glaube wichtiger ist als kritisches Hinterfragen.

Thomas (Gast) - Mi Nov 11, 00:25

Keine Besserung

Ich finde den Vorschlag problematisch, weil er AtheistInnen und AgnostikerInnen ausschließt (die können keines der mehreren Symbole verlagen) und generell über den Minderheitenschutz, der Teil einer jeden Demokratie sein muss, drüberfährt. Außerdem verstößt auch dieser Vorschlag gegen die Religionsfreiheit/Trennung von Staat und Religion. Im Endeffekt blieben damit alle Probleme die wir jetzt schon haben, bestehen.

franzjoseph - Mi Nov 11, 09:50

@ Thomas:

"Im Endeffekt blieben damit alle Probleme die wir jetzt schon haben, bestehen." - Sehe ich nicht ganz so, weil:

- Diskussion statt Automatismus!
- Veto: EinE einzigeR SchülerIn kann jedes Symbol verhindern.
- Symbole werden nicht vom Staat aufgehängt, sondern von den SchülerInnen.

Ist das wirklich das selbe für dich wie fixe Kreuze an den Klassenwänden?
Zwischenrufer (Gast) - Mi Nov 11, 10:06

Einspruch

Deinem Vorschlag kann ich leider gar nichts abgewinnen.

Die Regelung muss einheitlich für alle kommen, ansonsten entsteht ein riesiges Religionswirrwarr und die einzelnen Schüler/innen müssen miteinander in den Wettstreit treten, wer jetzt die Mehrheit stellt.

Was passiert in Klassen, in denen beispielsweise nicht Christen, sondern Muslime die Mehrheit stellen? Soll ja in Wien hier und da vorkommen. Kommt dort dann in der Folge die Segregation der Geschlechter und verpflichtende fünfmalige Gebet? Steigt dann der Druck auf die Mädchen, Kopftücher zu tragen noch mehr?

Die Lösung kann meiner Meinung nach nur sein, ALLE religiösen Symbole aus den Klassenzimmern zu verbannen. Funktioniert in Frankreich doch auch recht gut.

Martin Schimak (Gast) - Mi Nov 11, 10:07

Eine Klasse, in der es keine einzige Gegenstimme gibt (dein "Veto") kann und wird in der Praxis natürlich machen was sie will. Aber das ist ja im Grunde gar nicht das Thema, oder? Das Thema ist, dass heute öffentliche Räume von religiösen Gruppen vereinnahmt werden. Staatlich gebilligt und geschützt. Über Minderheiten wird drübergefahren.

Aber nochmal zum "Veto": das Thema lässt sich auch im kleinen nicht "demokratisch" aufrollen, auch nicht mit qualifizierten Mehrheiten oder Einstimmigkeit, sondern muss einzig und allein grundrechtlich betrachtet werden - also letztlich als Beschränkung des Mehrheitswillens. Das gilt dann für mich auch bei der kleinen Abstimmung im Klassenzimmer. Und insofern gibt es wohl auch einen Unterschied zwischen einem Christl Stürmer Poster und religiösen Symbolen, weil ich bei letzteren im öffentlichen Raum auch dann davor geschützt sein sollte, dass sie mir eine Mehrheit vor die Nase setzt, wenn ich mich in einer Minderheitsposition befinde. Und darüber hinaus sogar davor geschützt werden sollte, dass ich als einziger dagegen stimmen muss, um meine Rechte durchzusetzen... Grundrechte können auch durch Einstimmigkeit nicht ausser Kraft gesetzt werden.

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