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Tom Schaffer (Gast) - Do Jun 11, 03:15

"Wer nicht gendert, vergisst einfach die Hälfte der Menschen und spricht – so wie sich die deutsche Sprache eben entwickelt hat – nur Männer an."

Streng formell genommen ja. Aber (und das als jemand der sich selbst beibrachte weitgehend gendergerecht zu schreiben) sinngemäß stimmt das nicht unbedingt. Wenn ich irgendwo mal vergesse zu gendern, dann liegts nicht daran dass ich zB unter "die Politiker" nur die Männer verstehe, sondern im Gegenteil die Frauen als logischen Bestandteil des Wortes begreife. Das Wort mag grammatikalisch männlich sein, ist aber sinngemäß neutral.

Ich denke, dass man sich das Gendern mehr oder weniger sparen könnte, sobald man es mal eine Zeit lang gemacht hat und das Prinzip und den Grund dafür verstanden hat. Würde ich heute wieder aufhören zu Gendern, wäre ich deshalb kein bisschen sexistischer. Ich tu es vorrangig deshalb, weil ich nicht nur für mich selbst schreibe, sondern für eine Öffentlichkeit wo ich diesen Lernprozess nicht pauschal voraussetzen kann.

Mathias (Gast) - Do Jun 11, 03:46

Genau dieser Aspekt ist auch einer jener, der der Eigenschaft des generischen Maskulinums inne wohnt, von den Meisten aber nicht bedacht wird. Einerseits bezieht es sich natürlich auf die grammatische Zugehörigkeit des Wortes, andererseits impliziert es auf der semantischen Ebene gleichzeitig eine Allgemeinbetroffenheit; also genausowenig, wie "die Person" alle männlichen, menschlichen Lebewesen ausschließt, tut das der erwähnte "Betroffene" mit den Frauen.

(Hierbei gilt es natürlich zu bedenken, dass ein etwaiges "der Personer" genauso künstlich konstruiert wie "die Betroffene" oder gar ein Substantiv mit -in-Suffix wäre, die Legitimität also genauso sehr oder nicht vorhanden.)
franzjoseph - Sa Jun 13, 02:03

@ Tom: Nachdem ich „im Gegenteil“ nicht „die die Frauen als logischen Bestandteil des Wortes“ sehe, stimmt für mich (!) auch die sinngemäße Neutralität nicht. Ich gendere aus dem Grund der Selbstverständlichkeit (wie xogt), du aus einem anderen, den ich in seiner Argumentation durchaus nachvollziehen kann.

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